UNZEITGEMÄSS

gegen die Zeit und dadurch auf die Zeit und hoffentlich zu Gunsten einer kommenden Zeit

Im Bus auf der Gegenfahrbahn

Es ist passiert! Seit diesem Montag steht ein VW LT 28D vor unserem Häuschen. Und ich kann es gar nicht erwarten mit diesem schönen Bus demnächst meine Zeit zu verbringen. Durch den Bus hoffe ich intensiver zu leben und zu entschleunigen, von der Überholspur dieser Gesellschaft wegzukommen. (Ich ziehe natürlich nicht in einen Bus! Dies sind reine fiktive Gedanken für Menschen, die sich für das Busleben interessieren. Ich nutze meinen Bus nur für Reisen und so.)

Warum gibt es überhaupt so viele Deppen und Deppinnen, die sich in diese kleinen Busse und Bauwägen vergucken? Warum wollen “die” auf so engem Raum leben? Punkt Eins – der Alltag ist zu voll von gesundheitlich bedenklichen Ablenkungen, Reizüberflutungen, Süchten, etc. jeglicher Art. Was könnte der Mensch mit all der Zeit anfangen, wenn mensch den PC, die Glotze oder das Radio aus dem Fenster wirft ohne dabei arme kleine Omas zu erschlagen. Selbst verringerter Musikkonsum sorgt für mehr Genuss und nicht anders herum. Viel hilft eben nicht viel. Das gilt im Leben wie in der Medizin oder beim Essen. Natürlich könnten die Kastenbewohnenden einfach ihr Domizil etwas aufpimpfen und so mit Luxus aufwarten. Meiner Meinung verfehlt das den Gedanken des Wohnens in einfachen Verhältnissen. Aber jedem das Seine. Einfache Verhältnisse fördern einen langsamen Fluss des Lebens und verursachen ein intensiveres, bewusstes Wahrnehmen. Punkt Zwei – der Mensch ist gefangen in einem Netz von Gewohnheiten und Umständen, die er kaum beeinflussen kann oder als Selbstverständlich nimmt. Wenn mensch kaum Miete mehr zahlt, schlägt mensch dem Eigentums-Mehrwerts-Kram ein Schnippchen. Punkt Drei – ein Leben im Bus ist preiswert und ermöglicht einem auch Jobs nachzugehen, die nicht gut bezahlt werden, aber Spaß machen oder sinnvoll sind. Punkt Vier – du wärst mobiler. Mensch kann damit im Winter in Spanien für einige Monate kostengünstig leben oder schöne Reisen mit Freunden unternehmen. Des Weiteren kannst du jederzeit weg, wenn es dir passt oder du die Schnauze voll hast. Punkt Fünf – Sicherheit. Du hättest immer eine Wohnung. Der Bus gehört dir und du musst schon Pech haben, um ihn loszuwerden. Punkt Sechs – Opposition zum normalen Einheitsbrei schafft Vielfalt und ich liebe es in eiternden Wunden herumzustochern. Außerdem, warum kann nicht jeder so leben, wie er will, solange er niemanden dabei arg stört?

Viele hegen den Traum in einen Bauwagen oder in einen Bus zu ziehen. Ganz früher wollte ich immer gerne in der Natur sein – mit Freunden per Selbstversorgung im Wald leben. Doch dieses Projekt enthält eine Portion Komplexität und Schwierigkeiten. Es ist um ein Vielfaches schwieriger als sich nen Bus zu kaufen und mit diesem zu leben. Glücklicherweise fährt so ein Bus ja auch im Wald ^^. Die Nachteile eines Busses sind mir bewusst! Mensch ist wieder mit dem deutschen Gesetz konfrontiert, kalte Winter soll es Legenden nach auch noch geben, Selbstversorgung geht nur begrenzt, etc. .

Ich bin gerade dabei den Bus schick einzurichten, mich mit der Solaranlage etwas auseinanderzusetzen und einige Sachen von mir zu verstauen. Es wird geputzt, gebastelt und gezimmert. Die Frühlingsputz- und Rumräumlaune hat mich ergriffen. Voll gut. Gleichzeitig suche ich entnervt nach einer günstigen Versicherung. Da gibt es teilweise erhebliche Unterschiede. Jedoch lässt mich mein innerer Schweinehund nur schwerfällig von Versicherungen zu Versicherung tappsen.

Ich werde mir wahrscheinlich ein Saisonkennzeichen holen. Ab November fahre ich damit eh nicht mehr durch die Prärie. Und ein neues Kennzeichen kostet nur 60 Euro. Da lohnt sich jeder gesparte Monat bis Mai auf jedenfall. Das macht dann pro Jahr für mich Fahranfänger ganze 600 Euro. Ab Januar werde ich runter gestuft und zahle dann 10 bis 25% weniger. Ich muss mir für den Winter ein Grundstück suchen, wo ich ihn stehen lassen kann. Aber irgend eine WG in Hamburg wird da bestimmt ein bissel Platz zur Verfügung stellen.

Der Wagen ist nu umgemeldet und fahrbereit. Als Trinkwasserbehälter nutze ich einen Glasballon von 25l. Die Plastikbehälter fülle ich mit Abwasser.

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