Spielen und Lernen
Der folgende Text ist meine Interpretation und meine selbstgeschriebene Zusammenfassung von Seminaren, Weiterbildungen, fremden und eigenen Texten. Zitate sind mit dem Zitierten, außer schon fremdzitiert, abgesprochen.
Das Spiel ist wohl eines der vorurteilsbehafteten Erscheinungen in unserer Gesellschaft. Der Volksmund versteht das Spielen oft als kindische und reine Spaßveranstaltung, als nichtsbringend. Doch es kann für groß und klein eine enorme Bereicherung darstellen. Dieser Artikel soll unter anderem die wundervollen Wirkungen von Spielen für die Persönlichkeits-, Sprach- , Bewegungs-, Denk- und Lernentwicklung behandeln. Zusätzlich integriere ich nach und nach die folgenden Themen in den Artikel: Reflektion von Spielen in Schule und Gesellschaft, Spiele zur Förderung von kooperativen und alle Menschen einbeziehenden Verhalten, Spielideen, Konzepte, Spieltheorien, Erfahrungen, Studien und Spielanleitungshilfen.
Spielmerkmale und -definition:
Das Spiel ist ein weiter Begriff und es existieren unterschiedlichste Spieltheorien. Was ist „Spiel“ und gibt es überhaupt das „Spiel“? Scheuerl arbeitet im ersten Teil seines immer noch aktuellen Buchs “Das Spiel” von 1954 die Grundphenomene und Gemeinsamkeiten der verschiedenen Spieltheorien heraus und bestimmt so die Merkmale des Spiels.
Merkmal 1: Freiheit
Das “Spiel” ist frei von etwas! Frei von Arbeit, Ernst, Absichten, Verantwortung, Konsequenzen und äußeren Zwecken. Dies ist ein negatives Merkmal und benötigt den Gegenpol: die Arbiet, den Ernst!
Merkmal 2: Ewigkeit
„Das Kind, das einen Kreisel treibt, will nichts „erledigen“. […] Der Kreisel soll weiter tanzen bis in alle Ewigkeit […] .” (Scheuerl, 1954, S. 73) Dieses Zitat verdeutlicht den Gedanken der Unendlich- oder Ewigkeit. Das Spiel möchte mensch erhalten, ausdehnen und immer wiederholen. Der Mensch würde ohne äußere Einflüsse wie “Bedürfnissen, Nöten, Verpflichtungen jeglicher Art, fort und fort spielen” (Scheuerl, 1954, S. 76)
Merkmal 3: Schein
Im Spielen ist die Realität uninteressant. Der Mensch schwebt quasi über ihr. Um sich die Kritik zu ersparen, teilt mensch den Schein noch ein. Zum Einen existiert ein logischer Schein, wie eine Illusion (negativ) als Realitätsersatz, als Selbsttäuschung. Die Realität wird wie bei einem Portrait abgebildet. Diese Art von Schein gehört nicht primär zum Wesen des Spiels. Zum Anderen gibt es einen ästhetischer Schein. Dieser tritt selbst im Feld der Erscheinung als Werdendes auf, wie zum Beispiel in einem gegenstandslosen, abstrakten Kunstwerk. Diese Art des Scheins gehört zum Wesen des Spiels.
Merkmal 4: Zwischen Gegensätzen
Denke dir ein Pendel zwischen frei/unfrei, Herr/Nichtherr, binden/gebunden sein, spannungslosigkeit/zu hohe Spannung, bekannt/unbekannt. Das Spiel wandelt zwischen diesen Extremen. Ist zum Beispiel die Spannung zu hoch, entsteht Realität. Das Kampfspiel wird zum Kampf!
Merkmal 5: Grenzsetzung
In allen Spielen findet mensch Grenzen. Seien es Regeln oder abstraktere Grenzen wie unter andrem die menschliche Sichtweise oder die Nichtrealität. Ohne Grenzen handelt es sich um keine Spiele.
Merkmal 6: Zeitlosigkeit
Das Spiel findet im Moment statt. Die Vergangenheit und Zukunft blendet der Spielende aus. Die Zeitlosigkeit verdeutlicht des Weiteren die Parallelen zwischen einem Kunstwerk und dem Spielen. Beides erlebt, genießt der Betreffende im Moment und gleichzeitig will der Betrachtende des Kunstwerks oder der Spielende es ewig, sowie immer wieder erleben.
Definitionsversuch:
Eine Definition versucht wieder eine Reihe an Phenomenen in eine Kategorie zu quetschen. Mensch sollte sich der Nachteile bewusst sein und gerade beim Spiel diesen Versuch nur als Orientierung nutzen.
Ein Spiel ist eine von innen motivierte, freiwillige, zweckfreie im Moment stattfindende Tätigkeit. Sie verlangt Engagement vom Spielenden, welches durch die Freiwilligkeit schon meist gegeben ist. Es ist frei von Realität, Arbeit, Verantwortung und Ernst. Das Spiel enthält einen Ewigkeitscharakter, nach dem der Mensch das Spiel ewig erhalten möchte. Zwei Pole (z.B. frei/unfrei) sind für jedes Spiel zudem bestimmend, zwischen denen es immer hin und her pendelt. Außerdem muss ein Spiel Grenzen enthalten um ein Spiel zu sein.
Das Spiel an sich ist folglich nicht pädagogisch motiviert. Es findet im Spielen selber keine Fremdbestimmung statt. Es ist ein Phenomen, das sich auf den Spielenden beschränkt, denn die Außenwelt wird beim Spielen beiseite getan. Trotzdem kann es natürlich pädagogisch eingesetzt werden, um Kinder in einer bestimmten Weise zu beeinflussen. Genauso wie das Spiel an sich zweckfrei ist, kann es trotzdem zweckvoll sein!
Spielarten:
- Bauspiel
- Regelspiel
- Rollenspiel/Phantasiespiel
- Psychomotorisches Spiel
Warum spielen Kinder?
ältere Theorien:
- Einübung (Groos) – Kinder üben Instinkte und bestimmte Verhaltensweisen
- Energieüberschuss (Spencer) – der Mensch benötigt nicht mehr soviel Energie zur Lebenserhaltung und nutzt sie für das Spiel
- Erholungs- und Entspannungstheorie (Lazarus 1883) – Energien werden gesammelt und reguliert – Pause von der Realität, Schaffung einer Ersatzrealität
- Kartharsistheorie (Carr) – Jeder Mensch hat antisoziale Triebe – im Spiel kann ich anders sein
- Rekapitulationstheorie (Hall, 1906) – Bezug zur menschlichen Entwicklung, Vererbung (Krieg, Töten, Kämpfen, Hütten bauen)
neuere Theorien:
- Phenomenologische Theorien – Interaktion von Person und Umwelt, intrinsisch motiviert (Chateau: Kinder machen Pseudospiele (Funktionsspiele) und ältere Kinder spielen wegen Selbstbestätigung, ab 6 kommt die Herausforderung durch Ältere hinzu, Spielregeln sind das Wichtigste für die Persönlichkeitsentwicklung)
- Charlotte Bühler – Funktionsspiel – eigene Bewegung, Wahrnehmung wird entwickelt – Lust an der Funktion der Bewegung und Wiederholung
Spiele:
- Goofy: Alle Spielenden stellen sich in einen Kreis und schließen die Augen. Eine leitende Person tippt einer Person auf den Rücken. Diese ist nun der Goofy. Nun ist es die Aufgabe Aller Goofy zu finden. Dabei laufen alle durcheinander und schütteln sich die Hände und begrüßen sich gegenseitig mit “A: Goofy – B: Goofy”. Goofy ist der Einzige, der die Hand stumm schüttelt. Alle, die Goofy entdecken, fassen ihn an einer Hand an und spielen mit der anderen Hand ebenfalls Goofy bis alle an einer Kette angereit sind. Dieses Spiel kann einer Gruppe als Einstieg und erstes Kennenlernen dienen. Auch ist der kooperative Charakter von Vorteil.
- Baum bauen:
Quellen:
- „Das Spiel“ (Scheuerl, S. 68 bis 105)
