Die Wurzel packen
Der Zug zerschellt an der Wand. Die Trümmer regnen langsam vom Himmel auf die graue Erde.
In dieser Gesellschaft rennen millionen Süchtige herum – vom Rausch benebelt, alleine und in einem ständigen Mangel an allem: Geld, Autonomie, Selbstvertrauen, Glück oder Anerkennung. Wir ekeln uns an, sind immer unzufrieden – gleichen psychisch labile Marionetten, deren Weltbild dank einer Portion an Vorurteilen, Vermutungen, ordentlich Ignoranz und etwas Rassismus nicht in sich zusammen fällt.
Die geschaffene Freiheit, zwischen MC-Donalds und Burgerking wählen zu können, entpuppt sich als versteckte Unfreiheit. Das Streben nach Glück ist ein konstruiertes Streben in die Sklaverei des gigantischen Meers des Konsums. Mit der neuen Freiheit in der neuen schönen Welt wurde nun das ultimative Machtinstrument gefunden, aus dem kaum mehr einer zu fliehen vermag.
Wann ist der Zug von den Gleisen gekommen? Wo und was müssen wir suchen um den Ursprung dieser Entwicklung zu finden. Die abendlänedische Philosophie und Logik beginnt im alten Griechenland. Und im 20 Jh. haben einige schlaue Köpfe gefunden, was die Griechen damals vergessen haben: „den Anderen“. Die abendländische Logik basiert auf dem Ich, dem Sein vom ich, dem Denken vom Ich. Die Griechen haben aber die Möglichkeit etwas nicht denken zu können nicht in ihre Philosophie mit einbezogen. Wir können nicht denken, was der andere denkt – der Andere ist uns nicht zugänglich. Der Andere ist uns absolut fremd. Ich bin nach den Griechen nur etwas Besonderes im Allgemeinen und ich finde für alles irgendwann einen Grund. Ich kann dank der Humanwissenschaften, wie Psychologie oder Pädagogik, selbst den Menschen bald voll durchleuchten. Aber ich werde niemals wissen, ob der andere ein mensch ist oder ob er das Schokoladeneis so schmeckt, wie ich es schmecke. Es geht immer um das Ich und das Sein und das alles irgendwie und irgendwann erklärbar ist.
Dieses subjekt der Neuzeit birgt ein weiteres Defizit: das Gewaltpotential. Krieg oder Massenmorde basieren auf einer Logik, wo der radikal Andere nicht gedacht wird oder werden kann. Das Subjekt schwabt beim Anderen zwischen Idealisierung und Vernichtung. Wäre mir jedoch bewusst, dass ich niemanden wirklich ganz verstehen kann, ich durch andere überhaupt lebe, selbst meine Sprache fremd ist und ich selber andere bedinge – würde kein Graben zwischen meiner gruppe und der anderen Gruppe existieren! Denn ich müsste meine Nachbarn, meine Kinder, meine Ehegattin wie eine mir unverständliche primitive Kultur aus dem Amazonas versuchen zu verstehen. Der Graben verläuft zwischen mir und den anderen, nicht zwischen Gruppen!
to be continued …
