Eine gute Tat
Melvin taucht in die Tiefen seiner Nasenhöhlen ein, kratzt den Schleim von der Höhlenwand, bringt ihn in die Freiheit. Das Melvin in dem Augenblick von zwei Dutzend Schulkameraden beobachtet wird, stört ihn nicht. Es steigt eher etwas Befreiendes, Befriedigendes in ihm auf. Warum sollte er sich auch schämen. Ist dieser Vorgang nicht allzu menschlich. Melvin richtet seine trüben Augen auf die rundliche Freiheit an seinem Finger. „Das bin ich, jedenfalls ein Teil von mir“, flüstert er leise voller Bewunderung. Melvin tut der Schleim leid. Er hat ihn seiner Heimat entrissen. Seine Synapsen lösen glücklicherweise sofort das Problem und befördern den Finger direkt in das Ohr seines Banknachbarn.
Dieser kippt mit entsetztem Blick samt Stuhl in den Seitengang. Die Klasse gröllt. Melvin grinst und freut sich über die gute Tat. Er entschuldigte sich bei dem neuen Heimatort dafür, dass er ihn nicht vorher von dem Umzug seiner Selbst informiert habe.
